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archiv veranstaltungen 2008
Jahresthema «Tugend/en»

 
 
Mittwoch, 20. Februar 2008

Wie virtuos du lebst

Tugendethik, abgestaubt und neu interpretiert. Ein Vortrag von Prof. Christoph Rehmann-Sutter
 
 
 
 

Die Virtuosität im Leben ist das, was die Tugenden eigentlich meinen. Die alte Tradition der Tugendethik ist aktuell. Aber man muss sie neu interpretieren.

Die Fragen sind: Welche Charaktereigenschaften wollen wir ausbilden, an welchen Modellen für unsere Identität orientieren wir uns? Was bedeuten heute die klassischen Tugenden wie Gerechtigkeit, Tapferkeit, Grossherzigkeit oder Wahrhaftigkeit? Es gibt neue Tugenden, die uns wichtig geworden sind, wie Vertrauenswürdigkeit, Beziehungsfähigkeit, vielleicht Widerständigkeit. Welche noch?

Wenn Tugend etwas mit Exzellenz in einem Beruf oder in einer Rolle zu tun hat, dann ist Tugend ein Können. Etwas, was man gelernt hat und meisterlich kann. Oder etwas, was man können möchte. Kinder brauchen exzellente Mütter und Väter, exzellente Partner die Liebenden, exzellente Pflegende die Kranken, exzellente Wissenschaftler die Gesellschaft usw. Was diese Exzellenz jeweils ist, ist das Thema einer ethischen Reflexion über die Tugenden. Wichtig ist auch, dass jeweils auch der Umgang mit dem Gefährlichen, Verbotenen, "Lasterhaften" dazugehört. Sonst ist man nicht virtuos.

Christoph Rehmann-Sutter ist u.a. Professor für Philosophie an der Uni Basel und Präsident der Nationalen Ethikkommission im Bereich Humanmedizin und wohnt in Binningen

Mittwoch, 23. April 2008

Tapferer Krieger - Züchtige Hausfrau

Frauentugenden - Männertugenden. Ein Vortrag von Prof. Annemarie Pieper
 
 
 
 

Tugenden kennzeichnen vorbildliches Verhalten. Es fragt sich jedoch, wer die Definitionsmacht für jene Kompetenzen hat, die als Individualtugenden oder als kollektive Tugenden, als gesamtmenschheitliche oder rollen- bzw. geschlechtsspezifische Tugenden bestimmt werden.

Für Friedrich Schiller gab es keinen Zweifel: „Und drinnen waltet die züchtige Hausfrau / Die Mutter der Kinder, und herrschet weise / Im häuslichen Kreise“ (Das Lied von der Glocke). Ebenso selbstverständlich hat Platon Tapferkeit, Weisheit und Besonnenheit den drei staatstragenden Berufsgruppen (Krieger, Politiker, Bauern / Handwerker) zugeschrieben. Davon unabhängig galt ihm die Tugend der Gerechtigkeit als eine Norm, die jedem Bürger der Polis zusätzlich zu seinem Standesethos abverlangt werden sollte.

Der Dichter also und der Philosoph geben vor zu wissen, welche Tugend von wem gefordert wird. Aber woher wissen sie das? Wie lassen sich ihre Annahmen begründen, widerlegen, aktualisieren? Und wie nimmt sich das Thema Tugend aus weiblicher Perspektive aus?

Annemarie Pieper war von 1981 bis 2001 ordentliche Professorin für Philosophie in Basel. .

 
 
 
Freitag, 12. September 2008

Zeigt her eure Tugend

Für Tugendliche nicht geeignet Ein Kabarettabend mit dem Theaterkabarett BirkenmeierVogt
 
 
 

Tugend? Was soll dieser Begriff? Möchten Sie gerne im Netz eingefangene Schmet-terlinge an die Wand pinnen, zum Abzeichnen, für alle? Suchen Sie Wegweiser, Etiketten, Preisvergleiche für Ihr tägliches Handeln und Wandeln?

Dann liegen Sie richtig! Denn heute sind sie mächtig im Kommen, die Neuen Tugenden, qualitätsgesichert: Die „gewaltfreie Kommunikation“ garantiert Ihnen ein vorbildlich durchgestyltes Konflikt-Verhalten. Umwelttugenden werden uns von cleveren Werbe-agenturen gezielt ans Gewissen geheftet. Und Soz-altugenden: Monatlich lächeln staatlich preisgekrönte Sozialtugendliche von allen Plakatwänden. Schappo!

Tugend ist, wenn die Liebe zum Tun die Unschuld verloren hat. Mit aller Heiterkeit führen Sie BirkenmeierVogt auf den glitschigen Pfad der Tugend und zurück, so lange, bis am Ende nur noch der dringende Wunsch übrig bleibt: Endlich einfach mal nur das tun, was für mich stimmt. Punkt.

 
Mittwoch, 24. september 2008

Tugend und Wirtschaft

Passt das zusammen? Eine Veranstalltung mit Dr. Kathrin Amacker
 
 
 

Wirtschaft hat mit Menschen zu tun, und tagtäglich sind wir hier mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Tugend in der Wirtschaft bedeutet, dass wir unsere geistigen und körperlichen Kräfte keineswegs nur zum Geldverdienen einsetzen, sondern auch, um einen Beitrag an die ganze Gesellschaft zu leisten. Dadurch perfektionieren wir die Unternehmenskultur und verfolgen ein Qualitätsmanagement ethischen Verhaltens, dessen Ausdruck viele kleine und grosse Tugenden des Alltags sind: der Umgang mit Mitarbeitenden, Produktforschung, Geschäftspraktiken und Umweltressourcen.

Es ist also eine Frage unserer ethischen Verantwortung, gleich auf welcher Stufe wir im Betrieb stehen. Ethik darf nicht zum geflügelten Wort verkommen: Mit unserem Tun gilt es zu zeigen, dass Ethikpro-gramme in der Wirtschaft nicht blosse Makulatur sind. Stellen wir uns also täglich die Frage: Geht es hier um gelebte Selbstverständlichkeit oder um blosse Gewissensberuhigung? Weder Manchester-Liberalismus noch kommunistische Planwirtschaft haben das Heil gebracht. Es gibt den richtigen Mittelweg, wo die Wirtschaft ihre Eigendynamik entwickeln und gleichzeitig der ganzen Gemeinschaft dienen kann. Und dieser Weg hat ganz viel mit Tugend zu tun.

 
Mittwoch, 27. November 2008

Tugend und Politik

Tugendliche Beobachtungen aus der Welt der Politik Eine Veranstalltung mit Dr. Claude Janiak
 
 
 

Tugend und Politik? Schließt sich das denn nicht aus? Immerhin ist in weiten Kreisen der Ruf der Politik nicht der beste. Das muss freilich nicht allzu viel zu bedeuten ha-ben: Zum einen reden wir nicht von der Politik eines Bananenstaates, sondern von der Bundespolitik der Schweiz.

Zum andern hat Kritik an der Bundespolitik noch nie jemanden daran gehindert, an sie Erwartungen zu hegen und Forderungen zu stellen, womit sie so schlecht auch nicht sein kann.

Und drittens ist in der Politik «Tugend» («Tauglichkeit») ebenso abhängig vom Umfeld wie in allen anderen Tugend-feldern: «Arena»-Tauglichkeit allein etwa ist keine politische Tugend. Vertrauen noch weniger, im Gegenteil: Glaubt man der veröffentlichten Meinung, ist Vertrauen ein politisches Kapitalverbrechen, Misstrauen hingegen die politische Kardinalstugend schlechthin – zumindest, wenn man an eine Affäre um einen Armeechef denkt. Ohnehin scheint es, als seien politische Untugenden fassbarer als politische Tugen-den, die sehr viel unspektakulärer, ja: unscheinbar sind.

Denn die politische Arbeit findet nicht in 90 Minuten «Arena» statt, sondern in zahllosen Verhandlungen und Diskussion mit dem politischen Gegenüber. Offenheit, Toleranz dem politischen Gegner gegenüber, Geduld und langer Atem sind deshalb politische Tugenden. In der Kurzform von Max Weber: «Politik bedeutet ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich.» Wer diese politischen Qualitäten aufweist, ohne politische Untugenden mitzumachen, handelt politisch tugendhaft.